Geräuscharm auf Achse

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Drei von vier Menschen fühlen sich durch Lärm gestört oder belästigt, der durch den Luft-, Schienen- und Autoverkehr verursacht wird. Größte Lärmquelle ist dabei der Straßenverkehr. Besonders in Städten und Ballungsräumen ist Lärm allgegenwärtig. Lärm beeinträchtigt die Lebensqualität. Er verursacht aber auch Kosten für die Behandlung lärmbedingter Gesundheitsschäden und hohe indirekte Kosten, zum Beispiel infolge verminderter Arbeitsleistung, vorzeitigen Ruhestands, Kosten für Schallschutzmaßnahmen und Wertminderung von Immobilien.

Die gute Nachricht: Jede und jeder Einzelne kann den Verkehrslärm direkt reduzieren und sich selbst und anderen etwas Gutes tun. Die wirksamste Möglichkeit: auf Kurzstrecken das Auto stehenlassen und aufs Rad steigen oder zu Fuß gehen. Das spart nebenbei auch noch Kosten, und man tut etwas für seine Gesundheit.

Ein weiterer Tipp: Beim Kauf auf die Wahl eines geräuscharmen Fahrzeugs und/oder geräuscharmer Reifen achten. Fahrzeuge mit Elektromotor sind unter bestimmten Umständen – zum Beispiel beim Anfahren – und insbesondere bei Zweirädern leiser und stellen eine gute Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor dar. Nach einer EU-Verordnung muss in den Produktinformationen für Autoreifen auch das Rollgeräusch ausgewiesen werden.

Niedrigtourig fahren, nicht unnötig hupen, die Musikanlage im Auto nicht bis zum Anschlag aufdrehen: Auch das sind Maßnahmen, die den Lärmpegel für die Anwohner deutlich senken können.

Das BMUB arbeitet mit vielen Maßnahmen daran, die Lärmbelastung zu senken und unsere Städte lebenswerter zu machen: von der Verlagerung des Verkehrs hin zu leiseren Alternativen über die Förderung leiserer Fahrzeuge – auch im Güterverkehr – bis hin zu Lärmaktionsplänen und Informationskampagnen zu dem Thema. Vom Umweltbundesamt (UBA) gibt es einen Film zum Thema Lärm und was man dagegen tun kann.

Infos, Tipps und Tools für Verbraucher

1. Wie hoch ist die durch Verkehr verursachte Lärmbelästigung?

In Deutschland sind tagsüber etwa 3,3 Millionen Menschen von 65 Dezibel (dB(A)) lautem Straßenlärm betroffen. Das hat eine Lärmkartierung des Umweltbundesamtes (UBA) ergeben. Liegt der Lärmpegel über der Grenze von 65 dB(A), steigt das Risiko, dass die Betroffenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekommen. Nachts sind etwa 3,8 Millionen Deutsche von Straßengeräuschen von über 55 dB(A) betroffen. Zum Vergleich: Ein Kühlschrank brummt mit etwa 30 dB(A) vor sich hin. mehr

2. Kann ich den Verkehrslärm selber messen?

Wer sich ein genaueres Bild vom Lärmpegel in seiner Nachbarschaft machen möchte, kann sich bei verschiedenen Organisationen ein Schallpegel-Messgerät ausleihen. Schulklassen können zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Akustik jedes Jahr anlässlich des Tages gegen Lärm einen Aktionskoffer bestellen. Dieser beinhaltet neben einem Lärmmessgerät auch Stimmgabeln, Schallschutzkopfhörer und ein Modell des Gehörs. mehr

3. Kann Tempo 30 wirklich zum Lärmschutz beitragen?

Tempo 30 hat eine große Wirkung auf den Geräuschpegel im Verkehr. Der Schallpegel sinkt um circa zwei bis drei Dezibel, wenn ein Auto nur 30 statt 50 Kilometer pro Stunde (km/h) fährt. Weitere Fakten rund um das Thema Tempo 30 gibt es hier: www.30kmh.eu
Studie des Umweltbundesamtes zu Tempo 30 (PDF extern, 4,2 MB)

4. Wie wichtig ist die Auswahl von Autoreifen für die Lärmreduzierung?

Die größte Lärmquelle bei Autos ist ab einer Geschwindigkeit von etwa 35 Stundenkilometern nicht mehr der Motor, sondern die Reifen. Reifengräusche entstehen, wenn die Reifen beim Rollen über die Straße Luft verdrängen. Wie laut das Geräusch ist, hängt dabei nicht nur von der Straßenoberfläche ab, sondern auch von der Qualität der Reifen und von der Geschwindigkeit. Mit leisen Reifen und einer entsprechenden Fahrweise können Autofahrer aktiv zum Lärmschutz beitragen. Das Reifenlabel der Europäischen Union klärt darüber auf, wie laut, wie sicher bei nasser Straße und wie spritsparend ein Modell ist. mehr

5. Welche Auswirkungen haben dauerhafte Geräuschbelastungen auf Menschen?

Dauerhaft hohe Geräuschbelastungen können neben Gehörschäden auch andere Beeinträchtigungen hervorrufen, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Schlafstörungen. Doch nicht nur die Gesundheit ist betroffen. Lärmbelästigung kann unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Auch die Lebensqualität leidet unter Lärm: Schlafen bei offenem Fenster? Ein Gespräch im Straßencafé? Ein entspanntes Picknick im Park? Ist der Lärmpegel zu hoch, macht das alles keinen Spaß mehr.

6. Schnell unterwegs mit geräuscharmen Verkehrsmitteln

Am effektivsten kann man die Lautstärke der eigenen Mobilität reduzieren, indem man sich mit möglichst lärmarmen Verkehrsmitteln fortbewegt. Wer Fahrrad fährt oder zu Fuß geht, statt das Auto oder Motorrad zu nutzen, ist wesentlich leiser unterwegs und tut sowohl etwas für seine Mitmenschen als auch für die eigene Gesundheit und Fitness. Langsamer ist man dadurch auch nicht. Das Fahrrad ist innerorts auf Strecken von bis zu fünf Kilometern häufig das schnellste Verkehrsmittel. mehr

Leuchtturmprojekte – gefördert durch das BMUB

Strategien sind gut, Umsetzung ist noch besser: Das Bundesumweltministerium (BMUB) fördert daher in allen wichtigen Themenbereichen der Mobilität Projekte, die nachhaltige Lösungen voranbringen. Einen guten Überblick zu Projekten im Themenfeld "Geräuscharm" bietet Ihnen die nachstehende Liste. Wenn Sie die kurzen Beschreibungen neugierig gemacht haben, klicken Sie für weiterführende Informationen einfach auf den jeweiligen Link. Viel Vergnügen!

Elektroflotten für eine C02-neutrale Paketzustellung

In einem interdisziplinären Projekt entwickeln Wissenschaft und Wirtschaft ein Konzept für die umweltfreundliche Umgestaltung der Logistikbranche. Ergebnisse liefert ein mehrjähriger Praxistest, in dem eine Flotte von Elektrofahrzeugen die Zustellung von Paketen und Briefen übernehmen. mehr

Plug-in-Hybrid- und Elektro-Busse voranbringen

Bis zu 20 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen Plug-in-Hybrid- und Elektrobusse im ÖPNV. Im Projekt HELD setzt die Hamburger Hochbahn AG vermehrt Elektrobusse im Linienbetrieb ein. Die RWTH Aachen begleitet das Projekt und untersucht, welche Voraussetzungen für den reibungslosen Einsatz notwendig sind und wie sich die Ergebnisse auf andere Verkehrsbetriebe übertragen lassen. mehr

Mach’s leiser – Mitwirken bei der Lärmaktionsplanung in Leipzig

In Leipzig erprobte der Verein Ökolöwe neue Mitwirkungsverfahren im Rahmen der Lärmaktionsplanung. Statt nur Lärmminderungsmaßnahmen zu bewerten, die von der Stadt vorgelegt werden, beteiligen sich Anwohnerinnen und Anwohner maßgeblich an der Erarbeitung von Lösungsansätzen. mehr

Lastenräder statt Transporter für die Innenstadt

"Ich ersetze ein Auto" hieß ein Pilotprojekt des Instituts für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dabei wurde untersucht, wie sich Elektro-Lastenräder in den städtischen Kurierdienstalltag integrieren lassen. mehr

Transporte innerhalb des Hafens abgas- und geräuscharm gestalten

Im vom BMUB geförderten Projekt "Batteriebetriebene Schwerlastfahrzeuge für den Hamburger Hafen – Forschung, Entwicklung und Bau" sind die Fahrzeuge, die den Transport zwischen den Kränen am Kai und den Lagerhallen durchführen, mit einem innovativen Batteriebetrieb sowie Batteriewechselmechanismus ausgestattet. Dies vermindert sowohl schädliche Abgase als auch Betriebslärm. mehr

Schutzmaßnahmen für die Betroffenen von Bahnlärm erarbeiten

Mit dem Projekt "Plattform Leise Bahnen" brachte der Verband Allianz pro Schiene vom Bahnlärm Betroffene, Politiker und Vertreter von Schienenverkehrsunternehmen zusammen, um Lösungsansätze für den Lärmschutz zu diskutieren. Es wurden sieben Schritte auf dem Weg zu einem leiseren Schienengüterverkehr erarbeitet. mehr

Eine klimafreundliche Zukunft für den Güterverkehr

Das Umweltbundesamt erforscht im Projekt "Zukunftsorientierte Entwicklung des Güterverkehrs – Anforderungen und Rahmenbedingungen", wie die Anzahl von Transporten im Güterverkehr verringert werden kann. Auch die Möglichkeit der Verlagerung vom Straßengüterverkehr auf klimafreundlichere Alternativen wird untersucht. Die Reduktion der Lärmemissionen des Güterverkehrs findet dabei hohe Beachtung. mehr

Qualifizierung der Teilnehmer von Fluglärmkommissionen

Die "Bundesvereinigung gegen Fluglärm e. V." führt Workshops durch, in denen sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Daten, Fakten und neue Entwicklungen zum Thema Fluglärm informiert. mehr