Kompakt unterwegs

iStock.com / Olaser

Autos brauchen viel Platz. Nicht nur wenn sie in Bewegung sind, sondern vor allem wenn sie stehen. Das tun die meisten Fahrzeuge in Deutschland 23 Stunden pro Tag – in der privaten Garage, vor der Wohnung, am Arbeitsplatz, vor dem Einkaufszentrum, in der städtischen Tiefgarage oder vor dem Fitness-Studio. Vor allem dicht besiedelte Ballungsräume haben deshalb zunehmend ein Platzproblem, weil die Zahl der Autos in Deutschland noch immer steigt.

Parkplatz statt Spielfläche oder Radweg? Garage statt bezahlbarer Wohnraum? Das BMUB setzt sich für eine intelligente Nutzung der Verkehrsmittel ein. So kann die Verkehrsfläche effektiver genutzt werden, und es entstehen Freiräume, die man jetzt anderen zur Verfügung stellen kann.

Das geht, wenn man zum Beispiel auf das eigene Auto verzichtet. Alternativen dazu gibt es gerade in großen Städten genug. Carsharing – also Autoteilen – ist eine Möglichkeit. Das geht bei einem professionellen Carsharing-Anbieter oder auch privat mit seinen Nachbarn. Ein Carsharing-Auto braucht nur einen Stellplatz und bietet vielen Menschen Mobilität. Genau wie das Fahrrad: Es ist in der Stadt auf kurzen und mittleren Strecken nicht nur häufig das schnellste Verkehrsmittel, sondern auch günstig, umweltfreundlich und flächensparend. Busse und Bahnen sind ebenfalls deutlich platzsparender als der eigene Pkw – und außerdem klimaschonend, vor allem wenn sie mit Elektro-Antrieb unterwegs sind.

Das BMUB fördert daher Projekte und Kommunen beim Aufbau einer nachhaltigen Verkehrsinfrastruktur. Darüber hinaus steht auch die Verbesserung der vorhandenen Verkehrsflächen im Fokus. Zum Beispiel entwickelt das Umweltbundesamt (UBA) im Auftrag des BMUB Strategien zur verbesserten Nutzung vorhandener Verkehrsflächen. Der Hintergrund: Die Bundesregierung hat es sich im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr auf 30 Hektar pro Tag zu verringern. Im Durchschnitt der Jahre 1993 bis 2003 lag der Flächenverbrauch noch bei 120 Hektar pro Tag, 2014 waren es etwa 69 Hektar pro Tag.

Die Flächen, die so (wieder) frei werden, können auf vielfältige Weise genutzt werden. Zum Beispiel für Straßencafés, für Fahrradparkplätze in zentraler Lage, für Blumen, Wiesen und Bäume und natürlich für Spielplätze, damit Kinder in Bewegung bleiben oder kommen. Kurz gesagt: für mehr Lebensqualität und ein besseres (Stadt-)Klima.

Infos, Tipps und Tools für Verbraucher

1. Fahrradstellplätze: Was ist vorgeschrieben?

Jedes Bundesland hat eine eigene Landesbauordnung (LBO). Sie legt fest, ob und wie viele Autostellplätze bei jedem neuen Bauvorhaben mit eingeplant werden müssen. Baden-Württemberg beispielsweise hat seine LBO im Jahr 2015 dahingehend geändert, dass darin auch die Schaffung von Fahrradstellplätzen geregelt ist. Vorgeschrieben sind beispielsweise bei Wohngebäuden 2 Stellplätze je Wohnung und bei Verkaufsstätten 1 Stellplatz je 50 Quadratmeter (m2) Verkaufsnutzfläche. Ähnliche Regelungen gibt es auch in anderen Ländern oder Kommunen. mehr

2. Dienstrad statt Dienstwagen: Eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Seit 2012 ist das Dienstrad dem Dienstwagen steuerlich gleichgestellt. Aus gutem Grund: Der Gesetzgeber hat damit anerkannt, dass Mitarbeiter häufig lieber ein hochwertiges Rad nutzen möchten anstatt eines Dienstwagens, den sie eigentlich gar nicht brauchen. Große Firmen bieten ihren Mitarbeitern offensiv das Dienstrad-Modell an, weil sie damit etwas für die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter tun, teure Parkplätze einsparen und zur Nachhaltigkeit des Firmenstandorts beitragen. Zur Finanzierung des Dienstrads, das auch in der Freizeit genutzt werden kann, gibt es unterschiedliche Modelle. mehr

3. Mehr Freiraum für Kinder

Kinder verlernen immer mehr, sich zu bewegen. Unter anderem auch deshalb, weil es keinen Platz und keine sicheren Wege mehr für sie gibt. Die Kampagne "Mehr Freiraum für Kinder. Ein Gewinn für alle!" des Arbeitskreises Verkehrssicherheit des Landes Nordrhein Westfalen sammelt innovative Aktionsideen, die Kindern im Stadtleben mehr Freiraum und mehr Sichtbarkeit verschaffen – von der Spielaktion auf der gesperrten Straße bis zu Beteiligungsaktionen für die Umgestaltung ganzer Stadtviertel. Auf der Website sind viele Ideen und Anregungen zum Nachmachen zusammengestellt. mehr

4. Wie sieht die Flächennutzung des deutschen Verkehrs aus?

Von Deutschlands Gesamtfläche, die 357.168 Quadratkilometer (km2) beträgt, werden aktuell 5 Prozent für den Verkehr beansprucht. Klingt wenig, aber in den Städten sieht das natürlich anders aus. In Berlin zum Beispiel sind 58 Prozent der Verkehrswege für Autos reserviert, jedoch nur 3 Prozent exklusiv für Fahrräder. mehr

5. Wie könnten Flächen umfunktioniert werden?

Bei der nachhaltigen Umgestaltung von Flächen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In Bonn und Köln zum Beispiel bietet die Bezirksverwaltung Café-und Kneipenbesitzern an, im Sommer gegen eine Pauschalgebühr die Parkplätze vor ihren Läden als Außenterrassen zu nutzen. Statt Autos laden seither Bierbänke, Bistrotische, Sonnenschirme oder Blumenkübel Passanten zum Verweilen ein. Diese nehmen das Angebot gerne an. So verändert sich im Sommer das Gesicht eines ganzen Stadtviertels. mehr

Leuchtturmprojekte – gefördert durch das BMUB

Strategien sind gut, Umsetzung ist noch besser: Das Bundesumweltministerium (BMUB) fördert daher in allen wichtigen Themenbereichen der Mobilität Projekte, die nachhaltige Lösungen voranbringen. Einen guten Überblick zu Projekten im Themenfeld "Kompakt unterwegs" bietet Ihnen die nachstehende Liste. Wenn Sie die kurzen Beschreibungen neugierig gemacht haben, klicken Sie für weiterführende Informationen einfach auf den jeweiligen Link. Viel Vergnügen!

Nachhaltige Mobilitätsangebote verknüpfen

Die Stadt Würzburg errichtete mehrere Mobilstationen in der Nähe von Straßenbahnhaltestellen. Passagiere können somit das letzte Stück ihres Wegs ganz komfortabel mit einem klimafreundlichen Carsharing-Auto oder Leihrad zurücklegen. Dieses Projekt wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. mehr

Pendeln mit Rad und S-Bahn

Angestellten, die eine Teilstrecke ihres Pendlerweges mit der S-Bahn zurücklegen, stehen nun an einer Haltestelle in der Stadt Langen überdachte Fahrradstellplätze zur Verfügung. Hierfür wurde – durch Förderung im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative – ein Pkw-Parkstreifen umgewandelt. mehr

Steigerung des Personennahverkehrs in Emmendingen

Fahrradboxen, die Renovierung des Bahnhofes und eine neue Fußgängerzone: Dies sind nur einige Maßnahmen, mit denen die Stadt Emmendingen den nachhaltigen Mobilwandel voranbringt. Die Förderung dafür erfolgt über die Nationale Klimaschutzinitiative. mehr

Den städtischen Radverkehr komfortabler machen

In Offenbach hat die Stadt mehrere Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen geöffnet. So werden Lücken im Radwegenetz geschlossen und direkte und komfortable Verbindungen für den Radverkehr geschaffen. Dieses Projekt wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. mehr

Einfach die richtige Route finden

Über 1000 neue Schilder erleichtern Radfahrerinnen und Radfahrern in Potsdam die Orientierung. Die gut sichtbare und verständliche Ausweisung von Radrouten soll Bürgerinnen und Bürger dazu ermutigen, das Rad im Alltag häufiger zu nutzen. Dieses Projekt wurde im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. mehr

Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel positionieren

Die Stadt Emden motiviert durch den Ausbau der Fahrradinfrastruktur und durch Öffentlichkeitsarbeit fürs Radfahren die Bürgerinnen und Bürger dazu, das Fahrrad häufiger zu nutzen. Die Förderung hierfür erfolgte über die Nationale Klimaschutzinitiative. mehr

Fahrradverbindung über Land

Mit einer eigens für Radfahrer gebauten Parallelstraße können Fahrradfahrer im Landkreis Wittmund nachhaltig von A nach B kommen. Die Radstraße wurde über die Nationale Klimaschutzinitiative gefördert. mehr

Mehr Fahrradstellplätze an der Schule

Mit Fördermitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative wurde im Kreis Groß-Gerau die Anzahl von Fahrradstellplätzen an Schulen deutlich erhöht. Die Schüler entscheiden sich dadurch häufiger dazu, mit dem Rad zur Schule zu kommen anstatt sich von den Eltern mit dem Auto bringen zu lassen. mehr

"WiMobil" und "Share" untersuchen Carsharing der Zukunft

Zwei Forschungsvorhaben untersuchen, wie Carsharing die Mobilitätsgewohnheiten der Nutzer verändert. Aus den Projekterkenntnissen sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet werden, die Carsharing-Angebote in Zukunft für die Nutzer noch attraktiver machen. Share
Share(car2go)
WiMobil

Mehr Platz für mehr Radverkehr

Das Projekt "Mehr Platz fürs Rad!" unterstützt durch ein Informationsportal, die Zusammenstellung und Verbreitung von Good-Practice-Beispielen sowie durch Öffentlichkeitsarbeit Kommunen dabei, ihre Radverkehrsinfrastruktur zu verbessern. mehr

Mehr Fuß- und Radverkehr in der Innenstadt

In Dinslaken hat die Stadt in die nachhaltige Umwandlung der Innenstadt investiert. Flächen wurden zugunsten von Fußgängern zurückerobert. Gleichzeitig ist durch neue Verknüpfungen eine fahrradfreundlichere Infrastruktur entstanden. mehr

Autofreie Zonen in Bad Wildungen

Wo zuvor vielbefahrene Verkehrsknotenpunkte Barrieren für Fußgänger darstellten, hat die Stadtverwaltung mit vielfältigen Strategien den Autoverkehr umgelenkt. Unter anderem ist die vormals viel befahrene zentrale Einkaufsstraße nun eine verkehrsberuhigte Begegnungszone. mehr

Stillgelegte Bahntrasse wird zur Radachse

In Wuppertal können Fußgänger und Radfahrer auf einer umgebauten Bahntrasse von einem Stadtteil zum anderen gelangen. Entlang des neuen Bahnradwegs wurden außerdem viele Orte geschaffen, die die Lebensqualität in der Stadt verbessern – wie zum Beispiel Spiel- und Rastplätze. mehr

Platz für nachhaltige Mobilität schaffen

Die Stadt Kassel hat durch zahlreiche Maßnahmen das Viertel rund um die Friedrich-Ebert-Straße fahrradfreundlich umgestaltet. Auch Fußgänger profitieren von besseren Wegen. mehr

Hauptstraßen sozial und ökologisch gestalten

Beim bundesweiten Umwelt- und Verkehrs-Kongress diskutieren Wissenschaftler aktive Lösungsansätze für nachhaltigere Verkehrspolitik. mehr